Biometrisches Passfoto selbst erstellen 

pexels-21792036

Wichtige Rechtslage: Seit 1. August 2025 sind selbst gemachte Passfotos für Personalausweis und Reisepass in Deutschland nicht mehr zulässig. Wer mit einem Smartphone-Foto oder einer App-Datei zur Behörde kommt, wird abgewiesen. Was jetzt gilt, was noch erlaubt ist und wie der neue digitale Weg funktioniert — dieser Artikel erklärt es vollständig.

Biometrische Anforderungen — die ICAO-Normen

Ob das Foto beim dm, beim Fotografen oder für ein Visum für ein anderes Land gemacht wird — die biometrischen Anforderungen nach ICAO-Standard gelten überall. Behörden und Grenzkontrollsysteme prüfen sie automatisch.

Maße: 35 × 45 mm. Das Gesicht nimmt 70 bis 80 % der Bildhöhe ein — das bedeutet, der Abstand von Kinnspitze bis Scheitel beträgt ca. 31 bis 36 mm im Bild.

Ausdruck und Haltung:

  • Neutraler Gesichtsausdruck, Mund geschlossen
  • Augen geöffnet, geradeaus in die Kamera blickend
  • Kopf gerade, keine Neigung nach links oder rechts
  • Keine Kopfbedeckung — Ausnahme: religiöse oder medizinische Gründe, die bei Antragstellung glaubhaft gemacht werden müssen

Hintergrund: Weiß oder hellgrau, gleichmäßig ohne Schatten oder Muster. Kein Farbverlauf, kein Beige.

Beleuchtung: Gleichmäßig, keine Schatten im Gesicht und keinen Schattenwurf auf den Hintergrund. Direkte Seitenlichtquellen sind problematisch. Diffuses Fenster-Tageslicht von vorne ist ideal.

Keine Brille. Das ist kein Ermessen des Fotografen — seit den EU-Biometrie-Richtlinien sind Brillen auf amtlichen Passfotos nicht mehr zugelassen. Kontaktlinsen sind erlaubt, soweit sie die Augenfarbe nicht verändern.

Qualität: Scharf, nicht komprimiert. Mindestauflösung für digitale Einreichung: 800 × 1.000 Pixel (bei 35 × 45 mm entspricht das ca. 600 DPI).

Rechtslage seit Mai 2025 — was sich geändert hat

Seit 1. Mai 2025 akzeptieren deutsche Pass- und Ausweisbehörden keine selbst mitgebrachten Passfotos mehr — weder ausgedruckt, noch als Datei auf USB-Stick, noch per App generiert. Eine Übergangsregelung ließ bis 31. Juli 2025 in Ausnahmefällen noch Papierfotos zu. Seit 1. August 2025 ist die Regelung ohne Ausnahmen in Kraft.

Was betroffen ist:

  • Personalausweis (Erstantrag, Verlängerung, Verlust)
  • Reisepass und vorläufiger Reisepass
  • Elektronischer Aufenthaltstitel (eAT)
  • Reiseausweis für Ausländer, für Flüchtlinge und für Staatenlose

Was nicht betroffen ist:

  • Führerschein — hier gilt die alte Regelung weiter, Papierfotos werden akzeptiert
  • Kinderreisepass — fällt unter die neue Digitalpflicht, wenn er als eigenständiges Dokument ausgestellt wird

Warum diese Änderung? Der Hintergrund ist technisch und sicherheitsrelevant. Beim sogenannten Morphing werden zwei Gesichtsfotos digital zu einem verschmolzen — das Ergebnis ähnelt zwei verschiedenen Personen gleichzeitig genug, um Grenzkontrollen zu täuschen. Solange Fotos außerhalb der Behörde entstehen und als Papier oder Datei eingereicht werden, kann dieser Angriff nicht zuverlässig erkannt werden. Die neue Regelung unterbricht die Kette: Das Foto entsteht unter Aufsicht, wird verschlüsselt übertragen und landet direkt im Behördensystem — ohne dass es jemals unkontrolliert als Datei die Hand wechselt.

Rechtsgrundlage: Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass-, Ausweis- und ausländerrechtlichen Dokumentenwesen vom Dezember 2020, in Kraft getreten zum 1. Mai 2025.

Wofür Selbermachen noch erlaubt ist

Das ist der Abschnitt, der in vielen Artikeln zu diesem Thema fehlt — oder der Eindruck entsteht, Passfotos generell nicht mehr selbst machen zu können. Das stimmt nicht.

Bewerbungsfotos: Keinerlei gesetzliche Vorgaben. Selbst gemachte Fotos, App-Bearbeitung, Retouche — alles erlaubt. Was professionell wirkt und welche Standards gelten, hängt vom Unternehmen und der Branche ab, nicht vom Gesetz.

Führerschein: Gilt unter die alten Regeln — Papierfotos im Format 35 × 45 mm werden weiterhin akzeptiert.

Visa-Anträge für andere Länder: Die deutsche Regelung gilt nur für deutsche amtliche Dokumente. Ein Schengen-Visum-Antrag, ein US-Visaantrag oder ein australisches ETA werden nach den Anforderungen des jeweiligen Landes oder der jeweiligen Botschaft gestellt. Die meisten Botschaften akzeptieren nach wie vor selbst mitgebrachte oder ausgedruckte Bilder — solange sie den ICAO-Anforderungen entsprechen. Immer die aktuellen Anforderungen der zuständigen Botschaft prüfen, da sich diese ändern können.

Vereins- und Verbandsausweise, Studentenausweise, Mitgliedsausweise: Keine gesetzliche Vorgabe, selbst gemachte Fotos erlaubt.

Private Verwendung: Profilbilder, Jahrbuchfotos, Pressefotos — uneingeschränkt.

Wie der neue digitale Weg funktioniert

Es gibt drei zugelassene Wege, ein gültiges Passfoto für deutsche Ausweisdokumente zu bekommen:

1. Foto im Bürgeramt vor Ort. Viele Bürgerämter haben eigene Aufnahmesysteme angeschafft — Selbstbedienungsterminals oder Fotoaufnahmen durch Mitarbeitende. Man kommt zum Termin ohne Foto, das Bild wird dort gemacht. Kein Zusatzweg zu einem Fotografen nötig. Verfügbarkeit und Abläufe variieren je nach Gemeinde; bei der Terminbuchung nachfragen, ob ein Foto vor Ort möglich ist.

2. Zertifizierter Fotograf. Berufsfotografen, die für das neue System zugelassen sind, nehmen das Foto auf, laden es verschlüsselt in eine sichere Cloud hoch und händigen dem Kunden einen Data-Matrix-Code aus — optisch ähnlich einem QR-Code. Dieser Code wird beim Behördentermin vorgelegt und dort eingescannt. Die Behörde ruft das Bild direkt aus der Cloud ab. Das Foto wechselt nie als Datei die Hand. Einen zertifizierten Fotografen in der Nähe findet man über die PLZ-Suche auf dem Personalausweisportal oder durch direkte Anfrage beim Studio („E-Passfoto / digitales Passbild mit Code?“).

3. dm-Drogeriemarkt. dm bietet bundesweit in fast allen Filialen den Service für 5,95 € an. Geschulte Mitarbeitende fotografieren vor Ort, das Bild wird verschlüsselt gespeichert, der Kunde erhält den Data-Matrix-Code zum Mitnehmen. Die Bilder werden auf Biometrietauglichkeit automatisch geprüft. Andere Drogerien (Rossmann, Müller) arbeiten an ähnlichen Lösungen, sind aber in der Flächenabdeckung noch nicht so konsistent wie dm — vor dem Besuch auf der Website oder telefonisch nachfragen.

Was der Data-Matrix-Code ist: Ein maschinenlesbarer Code, der als verschlüsselter Verweis auf das gespeicherte Bild in der behördlichen Cloud funktioniert. Man druckt nichts aus, übermittelt keine Datei. Der Code ist personenbezogen, zeitlich begrenzt gültig und kann nicht kopiert oder wiederverwendet werden.

Schritt für Schritt — für erlaubte Zwecke selbst machen

Für Visa-Anträge, Führerschein, Bewerbungen und andere nicht-hoheitliche Verwendungszwecke kann man nach wie vor selbst fotografieren. So geht es richtig.

1. Ausrüstung: Ein modernes Smartphone (12 MP ausreichend) oder eine Kamera. Stativ oder Aufsteller für konstante Entfernung (ca. 50–100 cm). Ein Selbstauslöser-Timer, damit die Kamera nicht bewegt wird.

2. Hintergrund: Weiße Wand oder ein weißes Laken ohne Falten. Kein Beige, kein Off-White mit Gelbstich. Wenn kein geeigneter Hintergrund vorhanden: nach der Aufnahme Hintergrund digital entfernen und durch Weiß ersetzen. Wie das werkzeugbasiert funktioniert, zeigt der Hintergrund-entfernen-Leitfaden auf dieser Seite.

3. Beleuchtung: Diffuses Tageslicht von vorne, kein direktes Sonnenlicht. Alternativ: zwei Lichtquellen seitlich in 45°-Winkel, je eine auf jeder Seite — das ergibt gleichmäßige Ausleuchtung ohne Schatten. Kein Blitz direkt — führt zu Schattenwurf hinter dem Kopf.

4. Aufnahme: Neutral gucken, Mund zu, geradeaus in die Kamera. Mehrere Fotos machen, bestes auswählen.

5. Zuschneiden: Auf genau 35 × 45 mm zuschneiden — ein Aspektverhältnis von 7:9. Wie man Bilder präzise auf bestimmte Maße zuschneidet, erklärt der Artikel über Bild zuschneiden. Gesicht mittig, Kinnspitze ca. 4 mm vom unteren Rand.

6. Prüfen: Viele Botschaften und Online-Portale haben eine automatische Biometrie-Prüfung. Die App BiometricPhoto (iOS/Android) prüft das fertige Bild gegen ICAO-Anforderungen und zeigt an, welche Punkte nicht erfüllt sind.

Beste Apps — und was sie heute noch können

Die Apps, die früher für Passfoto-Erstellung beworben wurden, sind für deutsche amtliche Dokumente nicht mehr verwendbar. Für alle anderen Zwecke funktionieren sie weiterhin.

IDPhoto4 (iOS/Android, kostenlos) — biometrisches Zuschneiden auf verschiedene Länder-Standards, Hintergrundwechsel, Druckvorlage erstellen. Gut für Visa-Anträge und Bewerbungsfotos.

Passport Photo Maker (online, 123passportphoto.com) — lädt ein Foto hoch, schneidet biometrisch zu, prüft Hintergrund und Beleuchtung, liefert PDF für Druck. Kostenlos mit Wasserzeichen.

Canva — für Bewerbungsfotos mit sauberem Hintergrund und professionell wirkender Aufmachung. Kein Passfoto-Standard eingebaut, aber manuell auf 35 × 45 mm zuschneidbar.

Drucken: Für Verwendungszwecke, bei denen noch gedruckte Fotos akzeptiert werden (Führerschein, Visa), druckt CEWE, dm-Fotodruck, Rossmann und Myphotobook Passfotos im 35 × 45 mm-Format. CEWE Online bietet Passbilder für ca. 1,99 € (6 Stück) als Abholung in der Filiale.

Kosten: Was der neue Weg kostet

WegPreisBesonderheit
dm-Drogerie5,95 €Data-Matrix-Code inkl., fast flächendeckend verfügbar
Bürgeramt (eigene Aufnahme)Oft kostenlosAbhängig von Gemeinde, nicht überall verfügbar
Zertifizierter Fotograf10–25 €Variiert stark, teils mehrere Aufnahmen bis Zufriedenheit
Klassische Fotokabine (nicht zertifiziert)5–8 €Nicht mehr für Personalausweis/Reisepass gültig
Selbst gemacht + Druck (Visa, Führerschein)1–3 €Erlaubt für nicht-hoheitliche Zwecke

FAQ

Darf man Passfotos noch selbst machen? Für deutsche amtliche Dokumente (Personalausweis, Reisepass, Aufenthaltstitel) seit August 2025: nein. Für Visa-Anträge anderer Länder, Führerschein, Bewerbungen und private Nutzung: ja, weiterhin erlaubt.

Was brauche ich jetzt für einen Personalausweis? Einen Termin im Bürgeramt — und entweder das Foto dort machen lassen, oder vorher bei dm oder einem zertifizierten Fotografen, mit Data-Matrix-Code als Nachweis. Kein ausgedrucktes Bild mehr nötig.

Ist das Foto bei dm gut genug für das Bundesamt? Ja. dm-Mitarbeitende sind für das System geschult, die Bilder werden automatisch auf Biometrie-Tauglichkeit geprüft, bevor der Code ausgestellt wird. Fotos, die die Prüfung nicht bestehen, werden neu gemacht.

Welche Anforderungen gelten für ein Visum? Abhängig vom Zielland. Die meisten Länder verlangen ICAO-konforme Fotos (35 × 45 mm, weißer Hintergrund, neutraler Ausdruck) — entweder als Ausdruck oder als Datei. Die aktuellen Anforderungen stehen auf der Website der jeweiligen Botschaft. Für US-Visa: 2 × 2 Inch (51 × 51 mm), leicht andere Maße als der deutsche Standard.

Was gilt für den Kinderreisepass? Kinderreisepässe fallen unter die neue Digitalpflicht. Auch für Kinder muss das Foto digital von einer autorisierten Stelle erstellt und übermittelt werden. Bei sehr kleinen Kindern (unter zwei Jahren, die Augen noch nicht zuverlässig öffnen und die Kamera anschauen können) gibt es Sonderregelungen — das Bürgeramt informiert im Einzelfall.

Gilt die Regelung nur in Deutschland? Die Pflicht zur digitalen Erstellung und sicheren Übertragung gilt für deutsche Ausweisdokumente bei deutschen Behörden. Andere Länder haben eigene Regelungen. Wer für ein österreichisches oder schweizerisches Dokument ein Foto braucht, informiert sich bei der dortigen Behörde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen